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Alina Blum

Alina Blum, Jahrgang 1994, Gewinnerin des Literaturcafé-Wettbewerbs von 2014, hat ihr Abitur 2013 in Rösrath gemacht. In 2014/2015 ist sie für ein Jahr in Neuseeland. Sie schreibt, weil sie die vorbeifliegenden Gedanken einfangen will, Gedanken, die nur ihr gehören, Gedanken, die einzig bleiben, wenn sonst nichts mehr besteht, und weil Gedanken das Einzige sind, was letztendlich diese Welt verändern kann. Ihr Berufswunsch ist eine Ausbildung zur Therapeutin um zu helfen, das Bild der Gesellschaft über psychische Krankheiten zu verändern.

Das Leben ist 

Ein Kauf, den man am Ende bereut.
Ein Glück, für das zu schnell gefreut.
Ein Anfang, schnell zu End geführt.
Ein Blickfang, viel zu sehr gespürt.
Die Angst, dem Leben zu entwinden,
einfach viel zu schnell zu verschwinden.
Das Leben, ein Wettlauf gegen die Zeit,
der Mensch dafür noch nicht bereit.
Ein Kampf, noch zu gewinnen.
Ein Abenteuer, ganz von Sinnen.
Ein Sommer, der stets kommt zurück.
Ein Augenblick, so voller Glück.
Ein Herz, das lange schlägt.
Ein Geist, der alles trägt.
Die Liebe, heiß und kalt.
Freunde, gemeinsam werden wir alt.
Das Leben, nicht die Ewigkeit.
Ein Augenblick, der ewig weilt.

 

Sie sitzt draußen, eingewickelt in ihre rote, flauschige Decke. Darunter trägt sie zwei Pullover und drei paar Socken. Trotz der Mütze sind ihre Ohren eiskalt. Wenigstens schmeckt der Weißwein, den sie aus der Flasche trinkt frisch gekühlt besser. Die Kerzen auf ihrem kleinen Campingtisch flackern mit der sanft wehenden Brise. Sie nippt an der Flasche und schaut in den Himmel.

Es ist fast Vollmond. Vielleicht ist es auch schon Vollmond, sie war sich da noch nie so sicher gewesen. Sie steht auf, wickelt die Decke fester um sich, damit sie nicht auf dem Boden schleift und holt ihren Ipod aus dem Handschuhfach. Sie kann gar nicht genau sagen, in welcher Stimmung sie sich gerade befindet. Sie könnte sich nicht für eine bestimmte Musik entscheiden, sie wollte sich einfach überraschen lassen, also drückte sie auf Shuffle. Walking on the milky way. Milky way? Wieder sah sie hoch in den Himmel und musste innerlich lachen. Sie hatte in ihrem Leben noch nie so einen Sternenhimmel gesehen. Der Himmel war buchstäblich gepflastert von hell aufblitzenden Sternen, die um ihre Aufmerksamkeit leuchteten, bei denen man sich kurz vergewissern musste, dass es keine durch die Nacht reisenden Flugzeuge waren. Sie drehte sich im Kreis passend zu dem Song in ihrem Kopf und die Sterne wurden zu Linien, bewegten sich mit ihr, um sie herum, fast auf sie herab. Sie hatte das Gefühl, sie müsste nur ihre Hand ausstrecken und könnte einen der Sterne anfassen, einfach vom Himmel pflücken. Sie konnte das alles nicht auf den Wein schieben, dafür reichten die drei kleinen Schlucke nicht aus. Sie hatte selten Momente in ihrem Leben gehabt, in denen ihr Grinsen weh tat, in denen sie kaum fassen konnte, dass sie wirklich gerade das Glück hatte diesen Moment durchleben zu dürfen. So etwas einzigartiges und wunderschönes zu erleben. Sie griff nach ihrer Kamera, sie wollte das was sie sah, was sie erlebte festhalten, wollte es ihren Freunden zeigen, wollte es selbst als Erinnerung haben, damit sie immer und überall Zugriff auf diese Magie hätte. Aber die Linse der Kamera sah nicht was sie sah. Ausschließlich schwarz. Sie versuchte verschiedene Einstellungen, Belichtungen, Perspektiven, dasselbe mit ihrem Handy, doch es war zwecklos. Sie würde diesen Sternenhimmel nicht festhalten können. Sie packte Handy und Kamera wieder ins Auto und setzte sich immer noch dick eingewickelt auf den Stuhl. Wenn sie diesen Moment nicht materiell festhalten konnte, würde sie eben versuchen, jedes Detail in sich einzusaugen. Alles so genau wie möglich