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Marion Lenden-Boos,
Marion Lenden-Boos
ist die Hüterin des „Hort der Worte“. Morgens, wenn sie schreiben will, macht sie das Fenster auf, in der Hoffnung, dass die irrlichternde Muse vorbei kommt und sie küsst. Manchmal ist es nur ein Bützchen, ein Küsschen auf die Wange oder ein dicker Schmatzer, dann nehmen ihre Texte Gestalt an oder verschwinden mit der Löschtaste. Sie schreibt mit Subtext, Ironie, satirisch angehaucht, einfühlsam, kritisch oder total verworren mit viel Fantasie. Hin und wieder regt sich Poetry-Virus (keine Sorge, der Krankheitsverlauf ist mild aber unheilbar) in ihr. Ihre Geschichten und Theaterstücke (Komödien) wollen unterhalten und zum Schmunzeln, sowie lautes Lachen anregen. Linderung findet sie bei einem Auftritt auf regionalen und lokalen Bühnen. Eine Lesung vor Publikumer, Publikumlinen und Publikums hat auch eine genesende Wirkung. Ihre Komödien wurden in Österreich, Brasilien und in Deutschland von Nord nach Süd aufgeführt.
(Theaterstücke sind bei www.mein-theaterverlag.de zu finden)



Schenk(t) mir ein Wort
Hallo, kennt ihr mich? Bestimmt kennt ihr mich! Ich bin die Hüterin des „Hort der Worte“. Wenn ihr etwas aufschreiben müsst – also nicht „Copy and paste“ aus Google oder Wikipedia. Wirklich selber schreiben, zum Beispiel:
        eine Klassen- oder Semesterarbeit,
        eine Power-Point-Präsentation
        einen Einkaufszettel
oder Notizen, oder, was heutzutage sehr selten ist,
    einen handschriftlichen Brief verfasst
    eure Gedanken im Tagebuch niederschreibt
    usw.
dann sucht ihr Worte. Vielleicht habt ihr schon im Duden oder bei Thesaurus recherchiert. Da findet ihr viele Worte: alphabetisch geordnet, groß- und kleingeschrieben, kurz und lang, sinnvoll und sinnleer. Doch nicht immer passen die. Denn es verlangt euch nach Worten der Liebe, des Dankes, der Poesie oder des Reimes. Aber die Worte sollen nicht hohl klingen, keinem Schimpf und Schande bringen. Machtworte wollt ihr auch nicht schreiben, alles soll leicht bleiben, alles Seichte wollt ihr vertreiben. Worte, die Wert haben und den Geist laben.
Doch verzweifelt nicht, wenn die Worte nicht kommen, seid nicht wortlos, sprachlos, hilflos. Denn ich helfe euch in eurer Not.
Aus meinem Füllhorn der Worte fließen all die Worte, die ihr begehrt: Substantiv und Verb - immer ein Hit, Adjektive liebt ihr auch,  Präpositionen und Artikel ständig im Gebrauch. Es sind die richtigen, die passenden Worte. Worte altmodisch oder modern, charmant und niemals garstig, frisch erfunden oder fast vergessen, Namen, Länder Orte, eben – Worte.

Aber verwechselt mich jetzt nicht mit den Musen, auf deren Kuss wir häufig vergeblich warten. Die Musen bringen die Ideen, öffnen die Tore zur Phantasie, machen kreativ. Ich bringe die besten Worte, die wir brauchen, um den Musenkuss auf‘s Papier zu bringen.
Doch falls ihr Schwierigkeiten beim Schreiben habt,
wenn der Stift nicht schreibt,
das Papier zerreißt,
euch die nötigen Worte fehlen, dann,
dann gebt nicht mir die Schuld. Meistens hat dann hat mein Helferlein, das Schussel Dienst. Und leider ist der Name Programm. Sie hat es sogar schon geschafft, dass Füllhorn verkehrt herum zu halten. Könnt ihr euch das Ergebnis vorstellen?
Eine Katastrophe. Der arme Schreiber bekam einen Anfall von legasthenischen Fingern und konnte auf der Tastatur kein Wort mehr korrekt schreiben. Der Drucker piepst eine Fehlermeldung nach der anderen, die Tinte kleckst, das Papier wirft Falten und jede Menge Wörter werden ausgelassen. Ein völlig unverständliches Kauderwelsch! Ich konnte gerade noch dazwischen gehen, als jemand einen Brief an das Finanzamt schreiben wollte. Das Schreiben begann mit folgenden Worten oder eher „Nicht-Worten“. Ehr geräte darren … Bei so was steht auch die Autokorrektur auf verlorenem Posten. Schnell drehe ich das Füllhorn in die richtige Richtung. Der Schreibende reibt sich verwundert die Augen, korrigiert und dann steht da „Sehr geehrte Damen und Herren ...“ Puh, gerade noch geschafft, alles wieder im Lot.

Ist es Euch auch schon mal passiert, dass euch ein Wort oder Name nicht einfällt? Dann hat wahrscheinlich Dussel, die andere Aushilfe Dienst. Des öfteren löst er einen Anfall von HIV aus. Keine Sorge, ihr müsst nicht zum Arzt. HIV ist die Abkürzung für „Habe ich vergessen“. Er hat dann die Angewohnheit, einem die „sinnvollen“ Wörter Dings, Dingens, Dingsbums, Zeug und Gedöns in den Mund zu legen.

Aber jetzt was ganz anderes, denn um Schussel und Dussel geht es gar nicht, das war nur ein kurzer Einblick in meine Arbeit in der Welt der Worte.

Ich habe noch eine Bitte. Es ist wohl eine der größten Tragödien, dass die falschen Worte Macht haben und eine Komödie, dass viele Wörter keinen Sinn machen. Die Sprache verroht, aggressive Rhetorik droht. Wörter prasseln auf uns ein, rauschen an uns vorbei, wollen uns in diese oder jene Richtung drängen, sogar einengen. Sie werden nicht nur konjugiert, dekliniert, blockiert und deplatziert sondern auch umdefiniert, der Sinn kastriert und zweckentfremdet. Ich möchte euch vor den Mus-Worten behüten, Worten wie Rassismus, Fanatismus, Vandalismus, Egoismus. Ihr wisst schon was ich meine.

Meine Bitte zum Schluss, es gibt Kriege, Krisen, Katastrophen im Kleinen wie im Großen, doch es gibt keine wirkliche Kommunikation und Konversation die zum Kompromiss führt.

Drum wählt eure Worte mit Bedacht, denn dem Wort folgt die Tat und ein gesprochenes Wort konnte noch keiner zurücknehmen. Greift in mein Füllhorn der Wort, dort habe ich die richtigen Worte für euch die Worte der Liebe, des Dankes und des Friedens.